Montag, 12. Februar 2007

Das Leben nach dem Tod 1

Es war ein eisiger Herbsttag als meine Oma mal wieder einer meiner meist gehassten Sätze aussprach: "Im Herbst und im Frühling sterben die meisten Menschen!" Sie kochte gerade Suppe - Erbsensuppe mit Speck und Zwiebeln übergossen - hmmmm. Aber ehrlich gesagt konnten einem bei solchen Sprüchen der Appetit vergehen. "Ja, du hast recht Mutter", sagte mein Opa der verstohlen von seiner Zeitung aufblickte und auf die alte Uhr sah. Es war kurz vor vor halb eins. "Siehste" - sagte meine Oma während sie weiter im Suppentopf herum rührte - "die Glocken läuten, da ist wieder jemand gestorben, ob wir dann diesmal wieder zur Beerdigungmüssen?" Alle machten ein angestrengtes Gesicht. Ich hasste diese Art von Gesprächen, versuchte es zu ignorieren und las weiter in meiner Bravo. "Dann gibts Butterkuchen", sagte mein Vater. Oma, Opa und Papa lachten. Meine Mutter machte ein genervtes Geräusch. Ich glaube sie fand diese Unterhaltung genauso makaber wie ich. Ich seufzte.Mein Vater sah mich an als hätte ich was verbotenes getan, dann sagte er: "Du, der Tod gehört zum Leben, wenn ich irgendwann mal den Löffel abgebe..." Ich unterbrach ihn, damals war ich zwölf:"Da will ich nichts von hören, hier wird nicht gestorben!" Diesen Satz sag ich selbst heute noch. Alle begannen zu lachen während ich dumm drein schaute, sogar meine Mutter. Na ja... irgendwann sterben wir alle!Mein Opa ist leider schon tot. Aber mein Vater lebt noch und reisst auch heute noch seine makabren Sprüche. "Wenn ich dem Sensemann begegne..." sagte er neulich während ich ihn wieder mal unterbrach:"Papa, jetzt hör doch mal auf!" Er lächelte mich an und sagte:"Ich werd über hundert, dass hab ich mir fest vorgenommen!" Dann musste ich auch lachen. Das sagt er jetzt ständig:"Ich werd mindestens hundert!" Ich weiss nicht warum er das tut. Hat er vielleicht auch Angst vorm Sterben? Oder glaubt er das er wirklich so alt wird?Ich habe keine Ahnung!

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